Dienstag, 7. November 2017

Ich habe um mein Leben gekämpft?

Die letzte Chemo-Therapie ist nun schon 4 Wochen her.
Vier Wochen in denen sich eine Menge getan hat.
Meine Blutwerte sind nun wieder auf dem Normalstand und am 09.11.2017 kommt nun endlich mein Port raus.

Heute habe ich das Gespräch bezüglich der Narkose und der Entnahme. Ich bin eine kleine Schisserin und kann dies nicht unter lokaler Betäubung machen lassen.
Alleine wenn ich mir vorstelle, dass sie mich aufschneiden und etwas aus mir raus holen. Igitt.
Nein nein, dann schlafe ich lieber während des kleinen Eingriffs.

Ich möchte unbedingt meinen Port behalten und werde heute fragen, ob ich diesen dann nach der OP mitnehmen darf. Ja ich weiß, viele finden es vielleicht ekelhaft. Aber der Port war ein guter Freund, der schön fleißig seine Aufgaben erfüllt hat. Ob Blutabnahme oder Chemo, alles hat er mitgemacht.
Dennoch hat er mir auch Kummer bereitet, denn durch ihn habe ich eine Thrombose im linken Arm bekommen und ich spürte ihn ständig, ist einfach total unangenehm.

Ich finde es unfassbar wie schnell die Zeit vergeht.

Am 27.06.2017 habe ich die Diagnose erhalten, dass ich Krebs habe. Dieser Tag hat mein Leben komplett verändert.
Wir durften zum Glück unseren Urlaub auf Kos mitte August noch genießen, bevor der ganze Horror los ging.


Den Port habe ich am 23.08.2017 erhalten und am 28.08.2017 ging die Chemo und somit der 1. Zyklus los.

Ich war total aufgeregt was mit mir und meinem Körper passiert, so dass ich der Angst zu dem Zeitpunkt keine Möglichkeit gegeben habe heraus zu kommen.

Ganz ehrlich? Mir war die ganze Zeit nicht wirklich bewusst, dass ich um mein Leben kämpfe.

Die ersten 5 Tage stationär waren ganz ok. Ich habe 7,5 Stunden Chemo pro Tag bekommen, mit inbegriffen war natürlich auch der Vorlauf, mit Kochsalzlösung sowie die Medikamente gegen die Übelkeit, Schmerzen usw. Dann kam die Chemo und zwischen drin wieder einen Spülgang, dann noch mal Chemo und am Schluss wurde dann nochmals die Niere schön durchgespült.
Während der fünf Tage Krankenhaus musste ich genau notieren wie viel ich trinke und wie viel wieder raus kommt.

Die Schwestern waren so unfassbar lieb und haben sich ganz toll um mich gekümmert.
Da die PEB-Chemo das erste Mal einer Frau verabreicht wurde, war ich unter ständiger Kontrolle und durfte ein Einzelzimmer bewohnen.
Am zweiten Tag habe ich bereits die Nebenwirkungen gespürt, ich war total geschwächt und von Schlafen konnte keine Rede sein.
Das Schlimmste an allem war, dass man eben im Krankenhaus lag und 7.5 Stunden an den Chemo-Baum gefesselt war.




Am Freitag ging es dann gegen 17 Uhr nach Hause. Dort war alles noch ok.
Ich hatte weder Schmerzen noch war mir Übel. Ich war einfach nur total geschwächt.
Zu Hause angekommen merkte ich, dass meine Nase total empfindlich ist. Jeder Geruch war zu viel, ich fühlte mich total unwohl in meinem eigenen Zuhause.
Mein Schatz hatte natürlich alles aufgeräumt, geputzt und desinfiziert. Für mich war es aber alles einfach zu viel. Zu viele "neue" Gerüche.

Samstag ging es dann los, natürlich habe ich Medikamente vom Krankenhaus bekommen. Aber eben nicht so starke wie ich durch die Infusion jeden Tag erhalten habe.
Ich lag nur im Bett, gegessen habe ich kaum etwas, da auch der Appetit weg war.
Bauchschmerzen, Unwohlsein, Kopfschmerzen und meine Nasenschleimhaut war angegriffen.

Ich lag nur im Bett, konnte weder Lesen, noch Musik hören oder TV schauen. Es war alles zu viel.
Sonntag Abend war es dann richtig schlimm.
Ich hatte höllische Schmerzen, es fühlte sich so an, als würde jemanden meinen Rücken als auch Brustkorb zertrümmern. Ich krümmte mich vor Schmerzen, konnte weder Liegen, Stehen noch Sitzen. Wir ruften den Notarzt.
Natürlich waren die Schmerzen extrem, solche Schmerzen hatte ich wirklich noch nie. Aber es war noch schlimmer, da ich nicht wusste was es ist.
Die Nebenwirkungen der Chemo waren eben auch, dass die Lunge davon Schaden nehmen kann oder sich die Chemo durch das Herz frisst. Mein Kopf spielte natürlich alle möglichen Szenarien durch.

Der Notarzt erklärte mir, dass die Chemo nun in meinen Knochen sitzt und dadurch die Knochenschmerzen so extrem sind. Ich habe ein stärkeres Schmerzmittel bekommen und bin sofort eingeschlafen.



Am nächsten Tag, 04.09.2017 ging es wieder ins Krankenhaus, da die 6. Chemo starten sollte.
Mir wurde Blut abgenommen und zum Glück konnte die erste ambulante Chemo starten.
Was sehr ungewöhnlich ist, sagt der Arzt, ist dass ich alle Medikamente schmecken kann, die durch meinen Port laufen. Besonders ekelhaft sind natürlich die Chemo´s. Aber da habe ich vorgesorgt und knabber schön fleißig Salzstangen.

Die erste ambulante Chemo war für mich nicht so schön. Draußen vor dem Chemo-Raum saßen Frauen, die auch am selben Tag Chemo erhalten haben. Die es aber bereits schon länger bekommen. Sie haben über die Ärzte gesprochen, ihre Nebenwirkungen und wie man einen Schwerbehinderten-Ausweis beantragt. Sie waren sehr negativ eingestellt und somit habe ich noch mehr Angst bekommen. Ich war einfach so geschwächt vom Wochenende, dass ich wegen allem direkt anfing zu weinen. Zum Glück war mein Schatz an meiner Seite.

Im Chemo-Raum hat es Platz für sieben Frauen. Wenn man aus dem Fenster sieht, schaut man leider auf eine graue Wand. Diese wurde aber verschönert mit einem riesigen Bild aus dem Allgäu. Und das war dann auch mein Ziel. Wenn ich wieder gesund bin, fahren wir zu dritt ins Allgäu.
Die ambulanten-Chemo´s gingen immer sehr schnell, nach ca. 2 Stunden war ich durch und durfte nach Hause.



Die kommende Woche war aber alles andere als schön. Ich lag nur noch wach, konnte weder Nachts noch tagsüber schlafen. Dennoch habe ich ständig auf die Uhr geschaut und gehofft dass es bald 21 Uhr ist und ich wieder versuchen kann zu schlafen. Ich lag nur im Bett, wie schon geschrieben, ich konnte weder TV schauen, noch ein Buch lesen.
Es fühlte sich schrecklich an, es fühlte sich wirklich so an, als würde man vor sich hin vegetieren.
Zu dem Zeitpunkt habe ich beschlossen, dass ich eine Patientenverfügung aufsetzten werde. Ich möchte niemals in meinem Leben noch mal das Gefühl haben an ein Bett gefesselt zu sein und nur noch zu hoffen, dass man bald wieder versuchen kann zu schlafen.
Während der Woche habe ich stündlich gehofft dass es besser wird und ich wenigstens TV schauen  oder mal etwas Musik hören kann. Es wurde aber leider nicht besser.
Also ging ich zum Hausarzt und lies mir Schlaftabletten für die Nacht verschreiben.
Nun hatte ich wenigstens eine schöne Nacht und konnte schlafen, bis ca. 5 Uhr morgens. Ich fieberte also täglich noch mehr auf 21 Uhr hin.

Am 11.09.2017 sollte ich meine 7. Chemo erhalten. Leider waren die Blutwerte so schlecht dass keine Chemo gestartet werden konnte. Also musste ich Mittwoch wieder ins Krankehaus. Auch dort waren die Blutwerte noch zu schlecht. Meine Leukozyten waren zu niedrig, sodass es zu gefährlich währe eine Chemo zu starten.

Am 11.09.2017 fingen auch an meine Haare sich zu verabschieden. Sie vielen nun aus. Ich konnte sie Büschelweise herausziehen. Es war total verrückt. Wir beschlossen also, dass wir am 13.09.2017 zu einer befreundeten Friseurin fahren und sie abrasieren. Dies haben wir dann natürlich auch umgesetzt.



Die 7. Chemo habe ich dann am 18.09.2017 bekommen. Zum Glück, denn ich wollte es einfach nicht noch länger verschieben. Ich wollte doch endlich durch sein mit dem Scheiß.
Es ging mir so schlecht während des 1. Zyklus, dass ich ständig gesagt habe, dass ich einen weiteren Zyklus nicht machen werde. Noch mal eine Zyklus und dann genau so schlimm? Ich hatte einfach so viel Angst davor, dass ich noch mal diese ganzen Schmerzen haben werde.

Was ich vergessen hatte an Nebenwirkungen des 1. Zyklus. Meine komplette Speißeröhre war angegriffen. Es fühlte sich verätzt an. Ich konnte weder trinken noch essen. Habe mir also täglich alles reingezwungen. Ich versuchte dann kalorienreiche Nahrung zu essen. Mein Schatz hat mir Eis mitgebracht, aber leider wurde es durch den Zucker nur schlimmer. So habe ich auch noch Sodbrennen bekommen.
Jedes Mal wenn ich eine neue Nebenwirkung hatte, dachte ich "sooo nun habe ich alle Nebenwirkungen durch" und dann kam auch schon wieder eine Neue mit der ich absolut nicht gerechnet habe.

Dazu kam wieder etwas neues, ich hatte Schmerzen beim Einatmen. Direkt in der Lunge. Ich bin also in der Woche direkt zum Lungenarzt. Er hat alle Möglichen Untersuchungen bei mir gemacht und mir dann zwei Sprays mitgegeben. Durch die Sprays wurden die Schmerzen weniger. Der Arzt erklärte mir, dass ich zu viel Restluft in der Lunge hätte und deshalb das Atmen Schmerzen bereitet. Durch die Sprays werden die Bronchien erweitert und das Atmen fällt leichter.

Ich hatte während der 2 ambulanten Chemo´s Schmerzen im linken Arm. Er war weder dick noch  blau. Die Schmerzen kamen nach dem Blutabnehmen. Also schickte mich mein Onkologe zum Chirurgen, weil er dachte dass der Port evtl. beschädigt sei. Der Port war in Ordnung, also gingen alle davon aus, dass ich eine Schonhaltung wegen des Ports eingenommen habe und somit die Schmerzen im Arm sowie Schulter habe.


Leider wurden die Schmerzen nach der 7. Chemo immer doller und mein Arm wurde dick, die Adern ebenso und blau. Wir sind also freitags, 22.09.2017 ins Krankenhaus gefahren. Der Onkologe schickte mich in die Notaufnahme, da sie dort per Ultraschall sehen können, ob es sich um eine Thrombose handelt.
In der Notaufnahme angekommen haben sie erst einmal versucht mir einen Zugang zu legen. Links durften sie nicht wegen der Thrombose. Aber mein rechter Arm ist leider total doof, dort kann man kaum Blut abnehmen und dann einen Zugang legen? Ich habe ihnen direkt gesagt, sie sollen doch bitte meinen Port anstechen.
Die Schwester meinte aber, dass sie dies nur sehr ungern machen, da der Port so wertvoll sei.
Sie hat es an zwei verschiedenen Stellen versucht. Hat reingestochen und dann drin versucht die Vene zu treffen, leider ohne Erfolg.
Also holte sie den Arzt, der mir sagte, dass ich ja richtig gute Venen hätte. Er hat es also auch noch probiert und nach dem siebten Mal endlich eine Mini-Vene erwischt.

Per Ultraschall konnte nun festgestellt werden, dass es sich um eine Thrombose handelt. Da nun aber auch Schmerzen in der Lunge dazu kamen, gingen sie von einer Lungenembolie aus und schickten mich nach 5 Stunden Notaufnahme zum CT.
Beim CT ist es so, dass das Kontrastmittel mit Druck in die Vene gespritzt wird. Da nun aber nur eine Mini-Ultradünne-Vene erwischt wurde, musste man eben dort das Kontrastmittel per Druck reinspritzen. Ihr könnt es euch sicherlich vorstellen.
Ich lag also im CT und habe geschrien vor Schmerzen, die Schwester sagte nur "Sie sind gleich fertig, das müssen Sie nun noch durchhalten."
Schweißgebadet durfte ich wieder in die Notaufnahme. Eine Lungenembolie konnte zum Glück ausgeschlossen werden, also sollte nur noch mein Arm gewickelt werden und dann darf ich nach Hause.

Nach einer weiteren Stunde wurde mir dann aber mitgeteilt, dass ich doch nicht nach Hause darf. Ich musste also im Krankenhaus bleiben. Und nun mussten sie für die Aufnahme meinen Port anstechen. Ist es ihr ernst? 7 Mal in mir herumgestochert und nun darf der Port doch angestochen werden? Ich war ziemlich sauer und erschöpft von dem Tag.



 Das Wochenende ging einfach nicht rum. es war furchtbar. Wochenends ist nichts im Krankenhaus los. Langeweile pur. Zum Glück ging es wieder und ich konnte TV-Schauen.

Am Montag, den 25.09.2017 startete dann der zweite Zyklus. Leider nicht auf der Station, in der ich meinen ersten Zyklus bekommen habe, da dort kein Platz frei war. Alle Betten waren belegt.

Ich war mit einer älteren Dame auf dem Zimmer. Sie war dement und schwerhörig. Leider beides nicht so toll, aber zusammen noch schlimmer. Ich versuchte ihr zu helfen, erklärte ihr immer wieder alles, was die Schwestern oder Ärzte ihr gesagt haben. Es fühlte sich so an, als sei ich selbst eine Schwester.
Zu dem hatte die Dame einen Stoma, welcher mal ausgelaufen ist.
Ich durfte nach 2 Tagen das Zimmer wechseln und hatte vorerst ein Einzelzimmer.
Auch beim zweiten stationären Zyklus hielten sich die Nebenwirkungen in Grenzen, denn ich hatte ja wieder täglich meine Medikamente per Infusion. Natürlich war mir Übel, Bauch-, Kopf- und Rückenschmerzen, aber das zählte ich nicht mehr dazu. Nun war aber meine Mundschleimhaut ganz doll betroffen. Ich hatte im kompletten Mund Bläschen und konnte nur schwer etwas essen. War nicht wirklich angenehm.
Wie auch beim ersten Zyklus habe ich ein Chemo-Brain bekommen.
Ich konnte mich an vieles nicht erinnern, habe Dinge mehrmals erzählt oder mehrmals nachgefragt. Dies vergeht aber auch wieder relativ schnell. Eine Woche später war mein Hirn wieder relativ fit. Wobei ich noch immer Sachen vergesse, aber das ist ok.




Am 29.09.2017 durfte ich das Krankenhaus verlassen. Mein letzter stationären Aufenthalt habe ich gemeistert.
Ich habe extra mit den Ärzten und Schwestern verhandelt, so dass ich um 14 Uhr gehen durfte. Denn mein Schatz hat Geburtstag und feiert auch noch seine Eröffnung des 4. Studios.
Und ja ich konnte um 14 Uhr das Krankenhaus verlassen. Die 12 Chemo intus und los gings.

Wir haben uns schön gemacht und gingen gegen 18 Uhr ins neue Studio. Ich war total nervös, denn ich wollte vor allen Leuten meinem Schatz eine Torte überreichen und eine kleine Rede halten.
Leider ging es mir natürlich auch nicht ganz so gut, die Nebenwirkungen wurden immer doller. Aber ich habe es geschafft und konnte ihm die Torte überreichen und vor allen Leuten eine Kleinigkeit sagen und mich bei ihm für alles bedanken.
Nach dem ging es mir leider ganz schnell sehr schlecht und ich musste nach Hause gefahren werden.


Das Wochenende war ich noch sehr geschwächt aber es war alles besser als der erste Zyklus.
Wir mussten zum Glück nicht noch mal den Notarzt rufen und hey ich habe schon über die Hälfte geschafft.

Montag, den 02.10.2017 habe ich meine dritte ambulante Chemo bekommen, alles lief gut und schnell. Auch die Woche ging ganz gut rum. Leider war ich natürlich nur zu Hause eingesperrt. Aber ich konnte TV sehen.

Darauf den Montag, 09.10.2017 erhielt ich meine allerletzte Chemo. Es war ein großartiger Tag, denn mir ging es auch so ganz gut. Die Bläschen im Mund sind nun wieder weg und auch mein Appetit ist wieder da. Na klar, habe ich noch viele Nebenwirkungen, aber ich habe es endlich geschafft und meine letzte Chemo bekommen.


Die nächsten drei Wochen musste ich immer montags zum Blut abnehmen und was soll ich sagen? Es ist alles wieder klasse.

Seit zwei Wochen mache ich auch wieder Sport, natürlich ist alles viel anstrengender als zuvor. Aber ich kann mich wieder bewegen, kann wieder Auto fahren und mich mit Freunden treffen.
Ich bin einfach wieder unabhängig.

Ich denke keiner kann es so gut nachvollziehen, wie jemand der schon mal krank war. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl endlich wieder das zu machen, worauf man Lust hat. Wieder unterwegs zu sein, draußen zu sein und nicht nur auf die Uhr zu schauen und zu hoffen bald schlafen zu können.

Ich genieße das Leben nun ganz anders, viel bewusster.

Es wird mir nun alles erst richtig bewusst. Wie unfassbar schwer diese Zeit war. Ja ich habe um mein Leben und gegen den Krebs gekämpft. Ich hatte alle Nebenwirkungen die man haben kann, aber ich habe alles geschafft. Ich habe alles überlebt und nun kann mich nichts mehr so leicht umhauen.

Mit meinem Schatz spreche ich regelmäßig über die Zeit. Er hat mir erzählt wie schwer es auch für ihn war. Besonders zu der Zeit, als ich alles abbrechen wollte, weil es mir so schlecht ging. Er hat mich immer wieder aufgebaut und versucht mich für den 2. Zyklus zu stärken. Dadurch das ich so beschäftigt war, mit mir und den Schmerzen habe ich nicht mitbekommen wie sehr ich ihn mit meinen Aussagen belastet habe. Aber ich wusste dass er momentan alles für mich tut. Aus dem Grund wollte ich ihm an seinem Geburtstag auch unbedingt die Helden-Torte überreichen und ihm sagen wie toll ich es finde, dass es für mich da ist.
Für ihn war es zu der Zeit eine Doppelbelastung. Denn er hat die Eröffnung seines 4. Studios vorbereitet, die neuen Mitarbeiter eingearbeitet usw. Und dann lag ich auch noch krank im Krankenhaus oder zu Hause und er konnte nicht immer für mich da sein. Ich war einfach zu einem blöden Zeitpunkt krank.
Dennoch hat er jede freie Zeit genutzt, um bei mir zu sein und mich aufzubauen.

Es tut nun unheimlich gut immer wieder über diese Zeit mit Freunden, Familie oder Bekannten zu sprechen. Denn dadurch wird uns erst so richtig bewusst wie hart es war, wie wir gekämpft haben und dass wir es gemeinsam geschafft haben. Auch kann man so alles viel besser verarbeiten und ich kann mich erklären, warum ich nun so bin wie ich bin.

Durch den Krebs, meinen Herrn Krebs, bin ich nun ein ganz anderer Mensch und ich hoffe so sehr, dass auch Menschen, die keine schwere Krankheit haben, das Leben bewusst genießen. Es ist unser Leben, unser einziges Leben!!

Allen, die noch gegen den Krebs oder andere Krankheiten kämpfen wünsche ich, dass sie es schaffen und auch das Leben gesund genießen können.



Dienstag, 12. September 2017

Chemo Nr. 7

Eigentlich stand gestern meine siebte Chemo an.
Leider sind meine Leukozyten gerade noch im Urlaub. Die Leukozyten sind die weißen Blutkörperchen, diese sind für das Immunsystem verantwortlich.
Durch die Chemotherapie ist es üblich, dass die Leukos irgendwann nicht mehr ausreichend vorhanden sind.

Das einzige was man dann tun kann ist abwarten !
Ganz schrecklich für mich, denn ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, außerdem verschiebt sich nun das komplette Prozedere. Oh man, das hat mich gestern ganz schön genervt.
Aber etwas Gutes hat das Ganze, denn mir wurde gesagt, dass man dadurch ganz sicher weiß, dass die Chemo bei mir hervorragend wirkt! Na wenigstens etwas.

Dadurch dass ich gestern bei meinem Onkologen war, konnte ich auch einige Fragen stellen, die mich noch beschäftigen.
Mein Immunsystem ist ja im Keller und man geht davon aus, dass es die nächsten Male auch nicht anders sein wird. Und dadurch ist die Ansteckungsgefahr extrem erhöht.

ABER mein Liebster hat doch bald Geburtstag und eröffnet an dem Tag sein viertes Studio, da möchte ich soooooooo gerne dabei sein. Das will ich auf keinen Fall verpassen.

Also habe ich meinen Onko direkt gefragt "Können Sie mich da irgendwie dopen?"
Ihr hättet den Blick von ihm sehen sollen.
Er lachte und meint, dass Drogen sicher helfen würden. Ok er hat auch Humor.
Er erklärte mir, dass man leider nichts machen könne, um mein Allgemeinzustand an dem Tag zu verbessern. Würde es sowas geben, hätte er wohl keinen Job mehr.
Dennoch kann ich gerne hin gehen, wenn es mir soweit gut geht.
Und wegen der Ansteckungsgefahr?
Kein Problem, einfach so weit es möglich ist, nichts anfassen, kranken Leuten aus dem Weg gehen und Desinfektionsmittel mitnehmen und auch benutzen. Ich müsse nun nicht ängstlich durch die Welt gehen.
Yippie, das hört sich gut an! Also drückt mir die Daumen, dass ich an dem Tag, 29.09. soweit fit bin.

Auch habe ich ihn bzgl. Mundschutz angesprochen. Ich dachte, ich könne mich damit etwas schützen. Aber auch dort konnte er mich super aufklären. Der Mundschutz ist dafür da, den Speichel des Trägers aufzuhalten, er ist aber nicht dafür da die Luft zu filtern und Keime anderer aufzuhalten.
D.h. es müssten alle Gäste einen Mundschutz tragen- Geniale Vorstellung. Wir verteilen einfach am Eingang Mundschutz statt Sekt.

Das einzige was mir helfen würde währe eine Art Gasmaske.
Als ich das Freundinnen erzählt habe, fingen unsere Phantasien an durchzudrehen. Ich mit Atemmaske zwischen allen Leuten in einem neuen Studio. Geniales Bild, was die Leute dann wohl denken?  Super Vorstellung. Der Mann der Freundin würde ein Kleid anziehen sowie eine Gasmaske, damit ich nicht alleine so aussehen würde.
Es würde auf jeden Fall mein Outfit aufpeppen und den Abend sicherlich legendär machen.

Achja es gibt noch eine Neuigkeit, seit dem 10.09.2017 fallen nun meine Haare aus. Es ist wirklich wie im Film. Seit heute morgen ist es noch heftiger. Ich habe es meinem Liebsten gezeigt und er war sprachlos und geschockt. Auch ich war heute morgen geschockt. Es wird  immer mehr.
Aus dem Grund werde ich morgen meine Haare abschneiden. Um 10 Uhr wird es soweit sein, ich bin ganz schön aufgeregt, wie es wohl aussieht und sich anfühlt?
Um 15 Uhr haben wir dann auch einen Termin bei meinem Perücken-Mann.

Eine Freundin meinte gestern, dass es für sie ganz schrecklich sein wird, denn dann sieht man das erste Mal wirklich, dass ich Krebs habe. Und ja sie hat recht. Bis jetzt sieht man es mir absolut nicht an, dass Herr Krebs bei mir ist. Aber sobald die Haare weg sind ist es offensichtlich.

Ich denke mir nur, dass durch den Haarverlust ich auch Herrn Krebs verabschiede.

Also Herr Krebs, du darfst gerne morgen mit meinen alten Haaren gemeinsam mein Leben verlassen.
Tschüss!


Freitag, 8. September 2017

1. Zyklus PEB fast geschafft

Ich kann euch gar nicht sagen, wie ich mich freue, dass am Montag meine letzte Chemo für dieses Zyklus ist.

Einerseits ging es jetzt schnell, andererseits gehen die Tage momentan absolut nicht rum. Ich freue mich jeden Tag auf 21 Uhr, denn dann gehe ich schlafen.

Ich fühle mich eingesperrt in meinem eigenen Körper. Nichts klappt so wirklich. Weder TV schauen, ein Buch lesen, Malen oder Musik  hören. Nach einer kurzen Zeit bin ich davon bereits erschöpft.
Mensch dabei habe ich mich doch so gut auf die Chemo vorbereitet.
Im Nachhinein lache ich darüber, man kann sich wirklich nicht darauf vorbereiten. Wie denn auch? 

Das einzig richtige was ich gemacht habe ist, mir Speck aufzufuttern und mir vorher keine Angst zu machen und nicht zu sehr drüber nach zu denken. Ok ich habe es etwas zu harmlos gesehen. 

Und die angefutterten Reserven sind auch schon ziemlich angegriffen. Im Krankenhaus habe ich stolze 5kg mehr auf die Waage gebracht.  Bald ist ja zum Glück Weihnachten! 

Einerseits ist da die Freude und ich zähle die Tage bis ich alles geschafft habe. Heute ist es Tag 11, also noch insgesamt 31 Tage! Dann sind beide Zyklen geschafft. 
Anderseits habe ich eine panische Angst vor dem 2. Zyklus. Nun weiß ich was auf mich zukommen kann. Ich weiß wie es sich anfühlt, was mein Körper von der Chemo denkt und was es einfach für eine große Scheiße ist. 

Ich habe einfach wahnsinnige Angst noch einmal da durch zu müssen. Gestern sagte ich zu meinem Liebsten, dass ich nun abbrechen will, ich will nicht mehr dahin. 
Ja natürlich ich muss jetzt da durch und zum Glück habe ich sooooo viele wundervolle Menschen um mich herum, die mir die Kraft geben, noch einmal erneut durch die Hölle zu gehen! 

Herr Krebs du machst mich echt fertig. Ich hoffe du hast noch stärkere Schmerzen und schlechtere Tage!